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Interview: „Oldtimerwandern steht für eine Kultur“

Zurück zur Übersicht22.06.10

Vom 24. bis 27. Juni feiert die ADAC Deutschland Klassik um den großen Preis der Deutschen Post in Europas Kulturhauptstadt Essen ihre Premiere. Das „Oldtimerwandern“ steht bei dieser Veranstaltung hoch im Kurs. Es wurde vom ADAC wiederentdeckt und hat ihm zu einer Renaissance verholfen. Zu den über 100 Teilnehmern der Klassik-Tour gehört ADAC-Präsident Peter Meyer aus Mülheim, der mit einem postgelben Volkswagen „Fridolin“ aus der Autostadt Wolfsburg an den Start geht. Meyer spricht über die Philosophie dieser Veranstaltung, die Wiederentdeckung der Langsamkeit, und darüber, was in diesem und im nächsten Jahr den Ausschlag für den Austragungsort gibt.

?: Was kann man sich unter Oldtimerwandern vorstellen?

Meyer: Das Oldtimerwandern wurde als Autowandern vor circa 80, 90 Jahren gepflegt. Damals gab es sogar Fabrikate, die den Namen Wanderer trugen. Oldtimerwandern steht heute für eine Kultur.

?: Was zeichnet diese Kultur aus?

Meyer: Oldtimerwandern fasziniert durch die Art des Reisens: Unser Grundtenor lautet immer: Genuss braucht Zeit. Beim Oldtimerwandern bestimmen deshalb nicht Zeitmesser oder Hektik das Geschehen. Den Ablauf bestimmen vielmehr, gemächlich und gut gelaunt mit historischen und klassischen Automobilen stressfrei beeindruckende Landschaft zu erkunden. WP steht bei uns nicht als Kürzel für Wertungsprüfung, sondern für Wanderpause. Dabei kommen die kulturellen und gastronomischen Höhepunkte der jeweiligen Region nicht zu kurz.

?: Seit wann und wo betreibt Europas größter Automobilklub das Oldtimerwandern?

Meyer: Der ADAC hat anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahr 2003 diese genüssliche Form der automobilen Fortbewegung wieder entdeckt und pflegt sie seitdem erfolgreich bei der ADAC Trentino Classic. Es ist eine Wiederentdeckung der Langsamkeit und diese findet ganz enormen Anklang. Wir sind ständig überbucht. Deshalb haben wir die ADAC Deutschland Klassik ins Leben gerufen.

?: Was sprach dafür, die Premiere im Ruhrgebiet über die Bühne gehen zu lassen?

Meyer: Gleich mal vorweg: Nicht weil ich in Mülheim zu Hause bin. Ich freue mich natürlich, dass meine Heimat die Gastgeberrolle für die Premiere der ADAC Deutschland Klassik übernehmen konnte. Anlass dafür war insbesondere, dass Essen zur Europas Kulturhauptstadt 2010 ernannt worden war. Da konnte die Wahl eigentlich nicht anders als auf das Ruhrgebiet fallen.

?: Wird die ADAC Deutschland Klassik nun jedes Jahr an der Ruhr durchgeführt?

Meyer: Nein, keineswegs. Der Titel weist ja auf eine deutschlandweite Veranstaltung hin. Die ADAC Deutschland Klassik wird künftig jedes Jahr in einer anderen Region ausgetragen und von regionalen Klubs veranstaltet. 2010 richten der ADAC Nordrhein mit dem ADAC Westfalen und dem ADAV Westfalen Lippe gemeinsam unser Oldtimerwandern aus. Nächstes Jahr ist Nordbaden dran.

?: Was bewegte den ADAC, dass die Wahl auf diese Region fiel?

Meyer: Dafür gibt es einen großartigen Anlass. Dort wird 2011 der 125. Geburtstag des Automobils gefeiert. In Nordbaden ließ Carl Benz 1886 seinen Motorwagen patentieren und führte am 3. Juli diesen der staunenden Öffentlichkeit vor. Die ADAC Deutschland Klassik findet mit Start und Ziel in Karlsruhe vom 30. Juni bis 3. Juli statt. Auf die Teilnehmer warten wie in diesem Jahr unvergessliche Eindrücke. (auto-reporter.net/sr)

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